Bericht zum Fachgespräch „Die Türkische Ökonomie in Berlin“

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Am 22. April 2015 fand auf Einladung des wirtschaftspolitischen Sprechers der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Bola Olalowo, eine Veranstaltung zur Türkischen Ökonomie im Abgeordnetenhaus statt. Zu diesem ersten Gespräch in der Reihe „Migrantische Ökonomie“ mit der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Ramona Pop, und Bola Olalowo waren die türkischen Wirtschaftsverbände als Vertreter*innen der größten Migrant*innengruppe in Berlin eingeladen. Insgesamt beteiligten sich 7 türkische Wirtschaftsverbände an der Diskussion.

Es wurde deutlich: In Berlin gibt es gut 10.000 Türkisch-Berlinische Unternehmen, die entweder von Berliner*innen mit türkischem Pass oder mit türkischer Abstammung betrieben werden. Diese leisten einen erheblichen Beitrag zur Berliner Wirtschaft und sind heute in vielfältigen Bereichen tätig. In ihrer wirtschaftlichen Betätigung sind aber auch vor eine Vielzahl von Problemen gestellt. Zum einen stehen sie häufig von ähnlichen Herausforderungen wie viele andere, vor allem kleine und mittlere Unternehmen in Berlin. Dies betrifft etwa Fragen der Existenzgründung, den Umgang mit der Verwaltung und behördlichen Auflagen, die Finanzierung von Erweiterungsinvestitionen sowie das Dauerthema Bildung und Ausbildung. Zum anderen gibt es aber nach wie vor spezifische Themen, die mit dem türkischen Migrationshintergrund der Unternehmer*innen zusammenhängen. Genannt wurden hier ein zum Teil restriktiverer Zugang zu Fördermöglichkeiten, eine unterproportionale Vertretung in wirtschaftsrelevanten Gremien sowie Barrieren von türkischen Mitbürger*innen zum lokalen Arbeitsmarkt.

Herausgehoben wurde in der Diskussion, dass Berlin die Möglichkeiten, die sich aus einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit der Türkei und insbesondere mit der Partnerstadt Istanbul ergeben könnten, noch nicht ausreichend nutzt. Dies gilt bspw. für die Gewinnung von Fachkräften aber auch für das noch lange nicht ausgeschöpfte Potential für Direktinvestitionen aus der Türkei in Berlin. Hier wird die Brückenfunktion, die Berliner*innen mit Migrationshintergrund leisten könnten, kaum erkannt und noch weniger genutzt.

Dieser ersten Veranstaltung zum Thema „Migrantische Ökonomie“ werden weitere Veranstaltungen mit den verschiedenen Migrant*innengruppen in der Stadt folgen.

Am Gespräch nahmen teil:

Kadir Gezer ATIYAB – Europäischer Handels- und Informationsverband LV Berlin
Selcuk Ceyhan BAREX – Berliner Arbeitgeber und Existenzgründerverband e.V.
Önder Costan – MÜSEAD – Verein unabhängiger Industrieller und Unternehmer e.V.
Suat Bakir TDIHK – Türkisch Deutsche Industrie- und Handelskammer – Unternehmerverband e.V.
Süreyya Inal TDU – Türkisch Deutsche Unternehmervereinigung in Berlin-Brandenburg e.V.
Fatih Karasu TGB Business – Türkische Gemeinde zu Berlin – Bereich Business
Barbaros Kanan TÜMSIAD – Berlin – Verband der europäischen Unternehmer e.V.

Ramona Pop, Fraktionsvorsitzende Grüne Fraktion
Bola Olalowo, wirtschaftspolitischer Sprecher Grüne Fraktion

Weitere Gäste und Mitarbeiter*innen