Bericht zum Fachgespräch „Die Polnische Ökonomie in Berlin“

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Am 1. Juli 2015 lud Bola Olalowo, der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, zur Veranstaltung „Die Polnische Ökonomie in Berlin“ ins Abgeordnetenhaus ein. Er setzte damit die Fachgesprächsreihe „Migrantische Ökonomie“ fort, die am 22. April mit Vertreter*innen der Türkischen Community begann. Dabei wurde deutlich, dass in Berlin zahlreiche polnischstämmige Unternehmen aktiv sind, insbesondere im Bereich der Bauwirtschaft. Zunehmend kommen hier auch technologische Branchen wie Software und e‑Commerce hinzu.

An dem Gespräch nahmen teil:
Dorota Kot, Polnischer Sozialrat
Jan Masalski, Botschaftsrat der Polnischen Botschaft
Witold Kaminski, Polnischer Sozialrat
Markus Pulka, Geschäftsführer der FCC FiberCableConnect GmbH
Arne Lingott, Handwerkskammer Berlin

Moderation: Bola Olalowo

Wie hoch in Berlin die Anzahl der Unternehmen mit polnischen Wurzeln tatsächlich ist, lässt sich nicht genau bestimmen. Fest steht, dass sie mit Blick auf den Pass die Gruppe mit den meisten ausländischen Unternehmen in Berlin sind – rund 7.500 – davon die meisten Kleinunternehmen ohne Angestellte. Dazu kommen aber noch die Unternehmen von vielen Polnischstämmigen Berliner*innen, die die deutsche Staatsbürgerschaft haben.

Weitgehend einig waren sich die Diskutant*innen über die Beschreibung des polnischen Unternehmer*innen-Typus: fleißig, kreativ, mutig, flexibel und mit hohem Improvisations- und Anpassungstalent. Allzu häufig hatten in der Vergangenheit handwerksrechtliche Restriktionen, sprachliche Hürden oder die fehlende Anerkennung von Qualifikationen die Selbstständigkeit als Ausweg gegenüber angestellter Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit erscheinen lassen. So war es bis vor 10 Jahren meist so, dass polnische Mitbürger*innen in Berlin sich als Fliesen- und Plattenleger, im Holz- und Bautenschutz oder in der Gebäudereinigung selbstständig machten – oft ohne einen eigenen ausdrücklichen Wunsch nach Selbstständigkeit. Da es hierbei leider auch immer wieder zu nicht tragfähiger Selbständigkeit kommt, muss auch besser über die Vorteile einer angestellten Beschäftigung informiert werden.

Breiten Raum in der Diskussion nahm auch das Thema Fachkräftebedarf ein. Polen steht jedoch in diesem Bereich selbst vor Herausforderungen, vor allem im hochqualifizierten Bereich. Die Handwerkskammer Berlin hat so auch die Erfahrung gemacht, dass das Interesse in den meisten Regionen Westpolens gering an einer betrieblichen Ausbildung in Berlin gering ist. Gezielte Kampagnen zur Anwerbung dürften also auch in absehbarer Zeit wenig Erfolg zeigen. Darüber – so das Stimmungsbild bei den Anwesenden – dürfe aber nicht vergessen werden, dass Berlin auch Ausgangspunkt von Erfolgsstories war, die inzwischen weit über Deutschland hinaus Bedeutung haben, etwa das Unternehmen Solaris, das Busse und Straßenbahnen in ganz Europa vertreibt oder die anwesende FCC GmbH mit internationalen Geschäftsverbindungen. Denn: Berlin ist sehr gründungfreundlich, der Service und die Beratung bis hin zu den Finanzhilfen sind gut, wenngleich für kleine Unternehmen mehr Informationen in polnischer Sprache wünschenswert wären.