Green Moabit: Gemeinsam umdenken

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In Moabit-West, dem größten innerstädtischen Industriegebiet Berlins mit angrenzender Wohnbebauung, werden neue Wege im Klimaschutz beschritten. In enger Zusammenarbeit mit den lokalen Akteur*innen werden erstmals in einem Bestandsgebiet gewerblich industrieller Prägung die Potenziale für nachhaltigen Klimaschutz untersucht und konkrete Maßnahmen zur Klimaanpassung entwickelt. Wie das vom Unternehmensnetzwerk Moabit und dem international agierenden Logistikunternehmen Albert Craiss konkret umgesetzt wird, haben sich am 12. Mai 2014 eine Delegation der Grünen Fraktion aus dem Abgeordnetenhaus gemeinsam mit Vertreter*innen der grünen BVV-Fraktion Mitte und dem Bundesverband UnternehmensGrün vor Ort angeschaut.

Die wichtigsten Ziele des Netzwerks stellte Olaf Moll, Vorstandsmitglied des Unternehmensnetzwerks Moabit und Leiter der Lager-Logistik Berlin für Albert Craiss, den Abgeordenten vor. Zu diesen zählen vor allem die Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und lokalen Initiativen sowie die Förderung des unternehmerischen Engagements in Moabit. Darüber hinaus sollen Konzepte entwickelt und Projekte initiiert werden, welche gleichermaßen die Standortbedingungen verbessern und die Attraktivität für Anwohner*nnen und Besucher*nnen erhöhen.

Vorzeigeinitiative „Green Moabit“
Auf besonderes Interesse der Grünen Fraktion stieß das herausragende Projekt des Unternehmensnetzwerks „Green Moabit“, bei der ein gesundes Stadtklima im Vordergrund steht. Mit durchdachten Energiekonzepten sollen viele Tonnen CO2 eingespart werden und durch einen gemeinsamen Energieeinkauf für die beteiligten Unternehmen somit deutlich niedrigere Stromkosten erzeugen. Das ist eine Win-Win-Situation für nachhaltigen Klimaschutz und ökonomischen Unternehmergeist.

Viele Unternehmen können solche Konzepte aus kostentechnischen Gründen allerdings nicht alleine umsetzen. Die Beratung durch einen Energiebeauftragten sowie die Umsetzung der Lösungskonzepte sind meist kostenintensiv und amortisieren sich erst auf längere Sicht. Hier setzt das Netzwerk Moabit an und bringt interessierte Unternehmen in Arbeitsgemeinschaften an einem Tisch. Gemeinsam lassen sich Großprojekte für eine effizientere Energienutzung leichter auf den Weg bringen. Gleichwohl müssen weitere Anreize gesetzt und Maßnahmen angeboten werden, die gerade für kleine und mittlere Unternehmen Mehrwerte und Kosteneinsparungen schaffen.

Darüber hinaus setzt sich „Green Moabit“ für eine intelligente Mobilität ein. Dazu zählen eine Buslinienanpassung, ein Fahrradmobilitätszentrum oder die Entwicklung einer „Moabiter Green Card” für alle Verkehrsmittel. Aber auch soziale Themen wie eine betriebsnahe Kinderbetreuung werden von „Green Moabit“ gezielt weiterentwickelt.

Energieeffizienz im Logistikunternehmen Albert Craiss
Bei der anschließenden Firmenbegehung der Craiss-Logistik Berlin erhielten die Mitglieder des Abgeordnetenhauses Einblick in die Arbeit eines der führenden mittelständischen Logistikdienstleisters. Das seit mehr als 80 Jahren familiengeführte Unternehmen und Gründungsmitglied des Unternehmennetzwerkes Moabit beschäftigt 450 MitarbeiterInnen an seinen Standorten und ist Dienstleister für den Material- und Informationsfluss im Bereich Industrie und Handel.

Setzt das Unternehmen in seiner Firmenzentrale in Mühlacker zur Verbesserung der Energieeffizienz auf eine 5.200 m² große Photovoltaik-Anlage, so musste Craiss in Berlin wegen eines ungeeigneten Daches auf andere Maßnahmen ausweichen. Die Bestrebungen konzentrierten sich aus diesem Grund auf den geringstmöglichen Energieeinsatz in den Unternehmensprozessen. Gingen bisher laut Olaf Moll, dem Leiter der Lagerlogistik, vier Fünftel des gesamten Energieverbrauchs auf das Konto der Lagerbeleuchtung, so konnten durch energiesparende Leuchtmittel und die Installation von Bewegungsmeldern und Tageslichtsensoren bereits 65 bis 70 Prozent des Stromverbrauchs eingespart werden.

Auch der Einsatz von Schnelllauftoren verbessert die Energiebilanz. Mit einer hohen Öffnungs- und Schließgeschwindigkeit kann ein zügiger Materialfluss gewährleistet und die Raumtemperatur in den Lagerhallen gehalten werden. Die Effizienz bei der Warenwirtschaft konnte durch ein belegloses Lagersystem gesteigert werden. Warenein- und ausgänge werden über Terminals gesteuert und abgewickelt und somit den hohen Verwaltungs- und Papieraufwand auf ein Minimum reduzieren.

Wer mehr über das Unternehmensnetzwerk und die Initiative „Green Moabit“ erfahren möchte, sollte sich den 3. Moabiter Energietag am 04.09.2014 nicht entgehen lassen und im Kalender „grün“ unterstreichen.

Dr. Katharina Reuter (UnternehmensGrün e.V.)
Hinrich Westerkamp (BVV Reinickendorf Bündnis 90 / Die Grünen)
Wolfgang Remmers (Sprecher LAG Wirtschaft und Finanzen)
Taylan Kurt (BVV Mitte Bündnis 90 / Die Grünen)

Unternehmensnetzwerk Moabit
Fraktionsbericht